Was Milizsoldaten tun

Nicht alle, die sich fürs Bundesheer interessieren, wollen auch gleich Berufssoldat werden. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, einem zivilen Beruf nachzugehen und trotzdem Soldat zu bleiben? Dann ist eine Funktion bei der Miliz genau richtig für Sie. Milizsoldatinnen und -soldaten sind Personen, die nicht ständig und nicht hauptberuflich beim Bundesheer arbeiten.

Als Milizsoldatin oder Milizsoldat üben Sie weiterhin Ihren zivilen Beruf aus. Währenddessen kommen Sie aus Ihrem Alltag raus: Sie nehmen regelmäßig an militärischen Übungen teil und bleiben über die Entwicklungen im Bundesheer stets auf dem Laufenden. So erleben Sie Dinge, die vielen anderen verborgen bleiben. Sie können auch an Einsätzen im In- und Ausland teilnehmen und dort Ihr Können und Wissen in der Praxis umsetzen.

Soldatin Wachtmeister Patricia Sticht
Zivilberuf: Studentin

„Ich wollte zwischen Schule und Studium etwas ganz anderes erleben und körperlich gefordert sein, also habe ich mich zu zu einer Milizausbildung gemeldet. Mein Plan ist, zwischen Bachelor und Master ein Jahr als Soldatin ins Ausland zu gehen. Die Kameradschaft unter Soldaten ist immer etwas Tolles, egal ob man auf Dauer oder auf Zeit dabei ist.“

Milizsoldatinnen und -soldaten kommen aus allen Bereichen des zivilen Lebens, haben unterschiedliche Ausbildungen und Studien abgeschlossen oder können die aus ihren Jobs gewonnene Fachexpertise ins Bundesheer einbringen. Als Akademikerin oder Akademiker können Sie auch Teil ausgewählter Expertenstäbe von A wie Alpinwesen über K wie Kommunikation bis Z wie Zollwesen werden. Dort beschäftigen Sie sich mit spezifischen Fragen die Sicherheit Österreichs betreffend. Etwa: „Welche Infrastruktur könnte Ziel von Terroranschlägen werden und wie kann man sie schützen?“ oder „Was tun, wenn es einen großräumigen Stromausfall gibt?“.

Warum gibt es die Miliz?

Da die Friedensorganisation des Bundesheeres nicht in allen Situationen ausreicht, ist sie nach den Grundsätzen eines Milizsystems eingerichtet: Im Ausnahme- oder Katastrophenfall werden Männer und Frauen hinzugezogen, die sich entweder freiwillig zum Dienst beim Bundesheer gemeldet haben, oder die dazu verpflichtet sind. So steht immer ausreichend Personal zur Verfügung, damit die Sicherheit der österreichischen Bevölkerung zu jeder Zeit garantiert ist.

Die Miliz besteht aus Männern, die ihren Grundwehrdienst und Frauen, die Wehrdienst geleistet haben und sich dazu entschlossen haben, weiterhin eine Aufgabe als Soldat oder Soldatin wahrzunehmen. In erster Linie gehen sie ihrem privaten, nicht-militärischen Leben nach. Sie sind aber weiterhin in das Bundesheer eingegliedert und werden bei Übungen oder Einsätzen militärisch tätig. Die Miliz ist eine wichtige Säule des Bundesheeres bei Auslandseinsätzen. Aber auch im Inland ist die Miliz gefragt, wie etwa bei Hilfseinsätzen im Katastrophenfall oder bei der Überwachung unserer Grenzen.

Zwei Soldaten vor Schild Achtung Staatsgrenze Gefreiter Josua Pachner
Zivilberuf: Angehender Student

„Ich bin direkt nach dem Grundwehrdienst zur Miliz. Da ich keinen Studienplatz bekommen habe, habe ich mich zum Assistenzeinsatz gemeldet. Der Verdienst ist gut und die Arbeit ist abwechslungsreich. Dafür sind die Schlafenszeiten ungewohnt, und eine Fußstreife kann auch anstrengend werden, wenn man in der Nacht bei Wind und Regen unterwegs ist.“

Wo leiste ich meinen Dienst?

Sie werden bei einem Milizbataillon oder einer Milizkompanie in dem Bundesland, in dem Sie den Hauptwohnsitz haben, entsprechend jener Waffengattung eingeteilt, die Sie während Ihres Grundwehrdienstes oder Ausbildungsdienstes erlernt und ausgeübt haben. Wenn Sie diesen noch nicht geleistet haben, wenden Sie sich bitte für nähere Informationen an die Wehrdienstberaterinnen und -berater des Bundesheeres. Sie können, falls Sie eine Unteroffiziers- oder Offizierskarriere in der Miliz anstreben, gleich anstelle des Grundwehrdienstes in die Ausbildung einsteigen.

Welche Möglichkeiten habe ich in der Miliz?

Als Milizsoldatin oder Milizsoldat haben Sie vielfältige Karrieremöglichkeiten. Neben dem Dienst in einer Mannschaftsfunktion, bei dem Sie sich dazu verpflichten, insgesamt 30 Milizübungstage zu absolvieren, können Sie sich auch dazu entscheiden, eine Funktion als Unteroffizier mit 120 verpflichtenden Übungstagen oder als Offizier (nur mit Matura) mit 150 verpflichtenden Übungstagen auszuüben.

Soldat mit Funkgerät vor Botschaft Gefreiter Daniel Schwarz*
Zivilberuf: Maschinenbautechniker

„Ich bin direkt nach dem Grundwehrdienst zur Miliz gegangen, weil ich hauptberuflich Soldat werden will. So nutze ich die Wartezeit bis zum Beginn der Ausbildung zum Unteroffizier ideal und kann bei der Botschaftsbewachung jede Menge lernen und im militärischen Alltag bleiben. Da ich aus dem ländlichen Raum komme, ist es für mich besonders interessant, die Eindrücke der Stadt zu verarbeiten und die Nähe zur Bevölkerung und zu verschiedenen Kulturen. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Sicherheitspersonal der jeweiligen Länder bekomme ich auch viele Eindrücke von den Mentalitäten anderer Nationen.“
* Name geändert

Kann ich bei der Miliz Karriere machen?

Sie können Unteroffizier oder, wenn Sie die Matura haben, Offizier werden.

Hierzu ist eine fundierte Ausbildung in drei Abschnitten erforderlich. Wenn Sie sich schon frühzeitig für diesen Ausbildungszweig entscheiden, können Sie den Ausbildungsdienst anstelle Ihres Grundwehrdienstes verrichten. Die Ausbildung beginnt grundsätzlich im September jedes Jahres.

Teil eins, also die ersten fünf Monate Ihrer Ausbildung, absolvieren Sie gemeinsam mit allen, die hauptberuflich Unteroffizier oder Offizier werden wollen. Sie lernen die soldatischen Grundfertigkeiten und werden zur Truppenkommandantin oder zum Truppenkommandanten ausgebildet.

Teil zwei, also weitere sieben Monate Ihrer Ausbildung, gehen Sie (als angehender Milizunteroffizier genauso wie als angehender Milizoffizier) denselben Weg wie all jene, die Berufsunteroffizier werden wollen. Je nachdem, in welchem Bereich des Bundesheeres Sie künftig tätig sein wollen, durchlaufen Sie eine spezielle Ausbildung in einer der zahlreichen Schulen des Bundesheeres in ganz Österreich. Hier erhalten Sie eine spezifische Fachausbildung für Ihre zukünftige Funktion und lernen, Soldatinnen und Soldaten im Einsatz zu führen. Diesen Teil Ihrer Ausbildung schließen Sie mit dem Dienstgrad Zugsführer ab.

Während angehende Berufssoldatinnen und -soldaten nun weiter ausgebildet werden, wechseln Sie nach nunmehr zwölf Monaten Ausbildungszeit wieder in Ihren zivilen Beruf. Ihre militärische Laufbahn setzen Sie im Rahmen von Fernausbildungen und Ausbildereinsatz fort, sprich: Sie machen ein Online-Fernstudium zum Thema Ausbildungsmethodik mit einer abschließenden Online-Prüfung und nehmen im Anschluss an einer zweiwöchigen Ausbildungspraxis an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns teil. Wenn Sie diesen dritten Teil Ihrer Ausbildung innerhalb eines Jahres abschließen, werden Sie zum Wachtmeister befördert und erhalten überdies eine Prämie von 1.111 €.

Das ehemalige Einjährig-Freiwilligen-Jahr für Offiziersanwärter ähnelte den ersten beiden Abschnitten der aktuellen Ausbildung.

Soldat mit Blauhelm Hauptmann Georg Bartels
Zivilberuf: kaufmännischer Angestellter bei einem großen Telekommunikationsanbieter

"Die Miliz bietet die Möglichkeit, neben dem Zivilberuf ein breit gefächertes Spektrum an Aufgaben zu übernehmen, sei es die Ausbildung von Soldaten während einer Übung, die Hilfeleistung im Katastrophenhilfseinsatz nach einem Hochwasser, die Assistenzleistung an der Grenze oder die Friedenssicherung im Auslandseinsatz. Der Reiz liegt einerseits darin, die Möglichkeit zu bekommen, nicht alltägliche Aktivitäten mitzugestalten, und andererseits, etwas für die Gemeinschaft zu tun und Österreich zu repräsentieren."

Wie geht es weiter?

Unteroffiziere verpflichten sich dazu, künftig 120 Milizübungstage zu absolvieren, Offiziere verpflichten sich zu 150 Milizübungstagen. Diese sogenannten beorderten Waffenübungen finden in der Regel alle zwei Jahre statt und dauern jeweils fünf bis zehn Tage. Sie können außerdem freiwillig an zahlreichen Seminaren, Kursen oder auch an Einsätzen – wie der Botschaftsbewachung oder der Grenzsicherung sowie Katastrophenhilfe im In- und Ausland – teilnehmen.

Zu den beorderten Waffenübungen (also je nach Ihrer Funktion 30, 120 oder 150 Tage) werden Sie offiziell einberufen – abhängig davon, wann Ihr jeweiliger Verband übt. Diese müssen Sie absolvieren. Zusätzlich haben Sie auch noch die Möglichkeit, freiwillige Übungen zu absolvieren oder an einem Einsatz teilzunehmen. Diese reduzieren aber nicht die Anzahl der beorderten Waffenübungstage, für die Sie sich zu Beginn ihres Milizdienstes verpflichtet haben.

Wenn Sie nach mehreren Jahren Ihre Pflicht erfüllt und die vorgeschriebenen Milizübungstage absolviert haben, können Sie sich durch Abgabe einer erneuten Freiwilligen Meldung zu mindestens 15 weiteren Milizübungstagen verpflichten. Dafür erhalten Sie eine Prämie – die Höhe dieser ist abhängig von Ihrer Funktion (ob sie also als Mannschaftssoldatin oder -soldat, Unteroffizier oder Offizier tätig sind).